Ishinca, Teil 1

Seit einigen Tagen bin ich bereits in Huaraz, als ich Will treffe – wie sich herausstellt, ist der US-Kamerad bereits seit drei Wochen in der Stadt und mein bis dahin unbekannter Nachbar – er füllt die Zeit zwischen seinen Arbeitseinsätzen mit Bergsteigen in der Cordillera. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Aufstieg zum Ishinca Refugio auf 4350m Höhe. Will möchte unbedingt einen Gipfel versuchen, ich hingegen bin noch unschlüssig: Meine Kondition und meine Höhenanpassung stimmt zwar, jedoch bin ich für einen Gipfelanstieg nicht gut genug ausgerüstet.

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Wo geht`s hier zum Basecamp?

Ich dränge auf einen Start sehr früh am nächsten Morgen, lasse mich allerdings dazu überreden erst einige Zeit später als geplant zu starten – ein Fehler, den wir anschließend bemerken werden…

Zuerst nehmen wir ein Collectivo, das uns zügig aus Huaraz herausbringt und uns am Seitenarm des Rio Palta wieder ausspuckt. Von dort springen wir auf eine Mitfahrgelegenheit nach Pashpa auf, der winzige Wagen ist mit 8 Personen mehr als überbesetzt – die beiden Männer im Kofferraum haben es mehr als unbequem auf der langen und unbefestigten, mit tiefen Schlaglöchern übersäten Bergauffahrt. Es ist heiß und stickig. Für ein paar Soles mehr ist der Fahrer bereit, uns weiter als bis zu seinem geplanten Endpunkt zu bringen, eine Herausforderung für sein Vehikel. Beim Ausstieg verabrede ich mit ihm eine Uhrzeit zwei Tage später, ohne allerdings sicher zu sein, ob er alles verstanden hat und auch tatsächlich auftauchen wird.

Vor uns liegt ein langer Aufstieg und es ist bereits Mittag, als wir starten – ich habe kein gutes Gefühl, als uns bereits kurz nach dem Start einige Berggeher von ihrem Abstieg entgegenkommen, wir sind spät unterwegs. Die Höhensonne brennt gnadenlos vom Himmel, und unsere schweren Rucksäcke machen uns ebenfalls in dieser Höhenlage zu schaffen. Ich gehe davon aus, dass wir die Normalroute (blaue Linie) zum Basecamp nehmen, Will verlässt sich allerdings auf sein GPS – was prompt dazu führt, das wir uns auf der selektiven Colon-Route (auf der Karte rot markiert) befinden. Es geht über Stock und Stein querfeldein über Ackerfelder und unmarkiertes Gelände. Wir treffen auf einen Schäfer, der uns bedeutet, dass dies eine anspruchsvolle Route sei, die kaum ein Ausländer nimmt. Er lacht herzlich über unseren Irrtum und deutet mit der Hand zurück zur Ausgangsroute. Ausgepumpt streifen wir unsere Rucksäcke ab, wohl wissend das es für eine Umkehr schon zu spät ist, wollen wir noch bei Tageslicht unser Ziel erreichen.

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Blick vom Refugio zum mächtigen Tocllaraju 6034m und Palcaraju 6110m

Nur noch mit kurzen Pausen steigen wir weiter auf, wir beide atmen schwer in der dünnen Luft . An der Rangerstation ist niemand anwesend, so halten wir uns dort nicht lange auf – erst wieder Stunden später kurz vor unserem Ziel treffen wir auf tschechische Profibergsteiger, die mit über 30kg auf dem Rücken ebenfalls auf dem Weg zum Basecamp sind. Wir kommen sofort ins Gespräch und ich bin mächtig beeindruckt, dass die beiden ihr gesamtes Equipment stundenlang auf dem eigenen Rücken nach oben getragen haben, ein Pferd oder Esel zu mieten kam für sie nicht in Frage.

Noch rechtzeitig im letzten Tageslicht erreichen wir das Refugio und während die Tschechen noch draußen ihre Zelte aufschlagen, bricht bereits die Dunkelheit herein und ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende entgegen….

Weiterlesen in der Fortsetzung Ishinca, Teil 2

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